Frauenpolitisches

Die neue Frauenbewegung
Sie entstand an vielen Orten gleichzeitig. In den USA schrieb Betty Friedan 1963 ihren Bestseller Der Weiblichkeitswahn, in dem sie mit der typischen Frauenrolle abrechnete. In Frankreich verfasste Simone de Beauvoir schon 1949 Das andere Geschlecht. Die Philosophin und Schriftstellerin erklärte in diesem Buch: Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht. Und meinte damit: Frauen sind nicht von Natur aus unterwürfig, unselbständig und hilflos. Sie werden nur von klein auf dazu erzogen. Aber sie können auch anders.

Das machte den jungen Frauen in den späten 60-er Jahren Mut. Und bald erklärten viele Frauen öffentlich: Wir entscheiden nun selbst, wie wir leben, lieben und aussehen wollen! In den USA verbrannten Aktivistinnen der Women’s Liberation Front (Frauen-Befreiungs-Front) öffentlich ihre BHs. In Amsterdam kniffen die Dollen Minnas Männer in den Po. Und in Rom sangen Frauen auf einer Demonstration: Tremate, tremate, le streghe son‘ tornate! (Zittert, zittert, die Hexen sind zurück!).

In Deutschland entstand die Frauenbewegung aus der Studentenbewegung und anderen alternativen Gruppen. In bundesweiten Aktionen gegen den § 218 wurden frauendiskriminierende Abtreibungsregelungen skandalisiert. Frauenhäuser, Gleichstellungsbeauftragte oder einschneidende gesetzliche Neuerungen: als wichtige soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts hat die Frauenbewegung viel im allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein verändert.

Familienpolitik änderte sich
In der Realität waren die Frauen in den 50-er und 60-er Jahren alles andere als gleichberechtigt. Ein uneheliches Kind war eine Katastrophe, seine Mutter erhielt nicht einmal das Sorgerecht. Das Ehe- und Familienrecht bestimmte den Mann zum Alleinherrscher über Frau und Kinder. Wenn er sie und die Kinder misshandelte, war das seine „Privatangelegenheit“. Für sie galt: „Schrei leise, man könnte dich hören!“

In den achtziger Jahren setzte sich die von der SPD geführte Regierung in der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig für die Rechte der Frauen ein. Die Familienministerinnen Katharina Focke und Antje Huber initiierten zahlreiche Gesetzesänderungen, die in den folgenden Jahren erhebliche Erleichterungen für Frauen brachten. Sie engagierten sich u.a. für die komplette Reform des Familienrechts. Einige Beispiele:

  • Mann und Frau waren nun in der Familie dem Gesetz nach gleichberechtigt.
  • Familiengerichte wurden eingerichtet.
  • Das Scheidungsrecht wurde zugunsten der Frauen reformiert.

Frauenquote bei der SPD eingeführt
Es fanden erste Direktwahlen für das Europäische Parlament mit Willy Brandt als Spitzenkandidat statt. Brandt stellte sich für dieses Amt nur unter der Bedingung zur Verfügung, wenn die SPD-Liste einen Anteil von 20 Prozent Frauen enthält. Dies war der Beginn der Frauenquote. Auf dem Parteitag der SPD 1979 wurde die Forderung aufgestellt: „Alle sozialdemokratisch geführten oder mitgeführten Landesregierungen sollen Gleichstellungsstellen einrichten“. Mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft und dem Gleichheitsgebot im Grundgesetz der BRD gelang es in den folgenden Jahren diese Forderung auf kommunalpolitischer Ebene umzusetzen.

Feminat und Frauenqoute der GRÜNEN
1984 sorgten die GRÜNEN, erstmalig im Bundestag vertreten, mit ihrem sogenannten Feminat für Aufsehen. Die gesamte Fraktionsspitze bestand aus Frauen. Bis heute stellen die Frauen der GRÜNEN die Mehrheit der Mandate. Mit der Einführung der Quaotenregelung 1986 wurde innerhalb der Partei der Ansatz geschaffen, der mangelnden Repräsentanz von Politikerinnen entgegen zu wirken.

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