Frei, unversehrt und selbstbestimmt

Gabriel Zoczek, Angelika RodlerDr. Angelika Rodler und Gabriele Zoczek  gründen in Augsburg TERRE DES FEMMES Städtegruppe

„Ich wünsche mir, dass alle Mädchen die Chance haben, frei, unversehrt und selbstbestimmt aufzuwachsen“, sagt die Augsburgerin Gabriele Zoczek. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist aber leider auch in Augsburg längst noch nicht Realität. „Wir können gar nicht oft genug wiederholen, dass junge Frauen ein Recht auf ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben haben“, ergänzt Dr. Angelika Rodler. Die Berufsschullehrerin und promovierte Frauenforscherin weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, jungen Frauen jeder Nationalität immer wieder den Rücken zu stärken. Jetzt haben die beiden Frauen mit Unterstützung der Augsburger Gleichstellungsbeauftragten Anita Conradi eine Augsburger Städtegruppe von Terre des Femmes gegründet. Die gemeinnützige Menschenrechtsorganisation setzt sich für Mädchen- und Frauenrechte ein.

„Augsburg ist die drittgrößte Stadt Bayerns und auch bei uns gibt es leider immer noch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen an Frauen – deshalb bin ich sehr glücklich, dass wir jetzt endlich eine eigene Terre-des-Femmes-Gruppe  mit zwei so engagierten Frauen vor Ort haben. Ich freue mich auf ihre Aktivitäten und werde sie tatkräftig unterstützen“, betont Conradi. Bereits bei der Gründungsversammlung konnten acht weitere Frauen für die neue Städtegruppe gewonnen werden. „ Wir hoffen wir werden noch mehr“, sagt Gabriele Zoczek. Denn Themen, an denen gearbeitet werden muss, gibt es genug.

Für Angelika Rodler, die in der Kaufmännischen Berufsschule IV unterrichtet,  ist beispielsweise das Thema Zwangsheirat nicht erst seit der Studie von Familienministerin Dr. Kristina Schröder aktuell: „Ich fühle mich als Lehrerin verpflichtet, meine Schülerinnen zu schützen. Ich weiß, dass es auch in Augsburg zu Zwangsheiraten kommt. Das wenigste,  was ich tun kann, ist die Mädchen über ihre Rechte  und über mögliche Auswege zu informieren.  Es gibt immer wieder Schülerinnen, die wissen gar nicht, dass die Zwangsheirat verboten ist, sie kennen ihr Recht auf Scheidung nicht und sie wissen nicht, wo es Schutzwohnheime gibt.“

Auch im Bereich häusliche Gewalt will die neue Terre-des-Femmes-Gruppe langfristig aktiv werden.  Mit Hilfe der sogenannten Workplace Policy werden ArbeitgeberInnen informiert und in den Kampf gegen häusliche Gewalt an Frauen eingebunden.

Gabriele Zoczek, die selbst zwei Enkeltöchter hat, ist vor allem über sexuelle Belästigungen durch „Grabscher“ in den Augsburger Straßenbahnen empört: „Obwohl die Schuld eindeutig nicht bei den jungen Frauen liegt, schämen sie sich dafür. Wir möchten, dass sich die jungen Frauen wehren  und die Scham und das Schweigen durchbrechen“. Ideen, wie sie gegen „Grabscher“ vorgehen und diese bloßstellen können, haben die beiden Terre-desFemmes-Frauen schon, sie werden aber vorläufig noch nicht verraten. „Wir wollen unsere Themen öffentlich und sichtbar machen und ein Bewusstsein schaffen für die wachsende Sexualisierung auf allen Ebenen unserer Gesellschaft“, sagt Gabriele Zoczek.

Zum ersten Mal öffentlich auftreten wird die Augsburger Gruppe am 25. November 2011, im Rahmen der Veranstaltungen zum internationalen Tag  „NEIN zu Gewalt an Frauen“.  Vor der Annakirche bietet die Gruppe ab 17.30 Uhr Informationen  und Gespräche an. Außerdem wird die blaue Fahne von Terre des Femmes gehisst. Mit einer solchen Fahne kann sich jeder öffentlich gegen Gewalt an Frauen aussprechen. Bei der Fahnenaktion 2010 wehten bundesweit in über 850 Gemeinden und Städten 5800 Fahnen und Banner. „In Augsburg haben wir derzeit fünf Stellen, an denen für die Frauenrechte Flagge gezeigt wird“, berichtet Angelika Rodler. „Das kann gern noch mehr werden!“

INFO:
TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, die 1981 in Hamburg gegründet wurde und sich für ein selbstbestimmtes und freies Leben von Frauen und Mädchen weltweit einsetzt. Mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen, Einzelfallhilfe und Projektarbeit informiert und unterstützt Terre des Femmes Frauen und kämpft gegen häuslichen Gewalt, Ehrenmord, Zwangsheirat, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsprostitution und Frauenhandel. Jährlich am 25. November findet eine Fahnenaktion mit dem Motto „Nein zu Gewalt an Frauen“ statt.  Derzeit hat Terre des Femmes 23 Städtegruppen in Deutschland. Die Augsburger Gruppe ist unter augsburg@frauenrechte.de erreichbar.

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